LOST PARADISE
Modul 1 Eva / Satan (be-werten)
Inklusive, theatrale Installation
mit Live - Chat und
interaktiver Plattform `Paradise Regained´
zum 50-jährigen Jubiläum
club68köln e.V.

Foto: Julia-Lena Lippoldt © Oliver Stroemer / AMAZE
Lost Paradise

ist ein Projekt des club68köln Verein für Behinderte und Nichtbehinderte e.V.
Künstlerischer Leiter ist der in Köln lebende, auch außerhalb Deutschlands tätige Kulturanalytiker, Dramaturg, Choreograph und Regisseur Kristóf Szabó (Kristóf Szabó F.A.C.E. Ensemble).
Grafik © KAB www.kab-art.de
Foto John Herman (Adam): Daniel Fragoso

Mai 2025 Modul 1 Eva
Kulturkirche St. Gertrud, Köln
Der club68köln e.V. feierte Premiere des ersten Teils von LOST PARADISE mit der Performance 1 Eva in der Kulturkirche St. Gertrud in Köln mit Interaktiver Live-Plattform.
Im Zusammenspiel von Tanz, Theater, Hörspiel, Foto- und Videokunst entfaltet sich in Teil 1 Eva eine vielschichtige Inszenierung, die den Raum in ein vibrierendes Spielfeld menschlicher Erfahrung verwandelt. Ein imposantes Bühnenbild und bewegende Videoprojektionen verleihen der Performance visuelle Tiefe und transformieren den Ort zu einem Resonanzraum für Erinnerung, Widerstand und Empathie.
Im Zentrum stehen grundlegende Fragen unserer Zeit:
Wann ist ein Mensch ein Mensch – und was geschieht, wenn Kategorien über Wert und Würde entscheiden?
„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ (Artikel 1, Grundgesetz):
Was bleibt von diesem Versprechen, wenn es im Alltag Risse bekommt?

Grafik © KAB / www.kab-art.de
Tyrannei der Werte < -> wertes Leben
Bewertung verwandelt das Paradies in eine Veranstaltung mit Scores und Rankings.
Die Tyrannei der Werte und die lange (auch digitale) Hand des omnipräsenten Bewertens treffen Menschen mit Behinderung ins Mark. Dies passiert vor dem Hintergrund gesellschaftlich geteilter Vorstellungen über Kategorien und Werte. Diese müssen neu verhandelt werden. Es liegt in unserer Hand!
Und Adam? Wo war und ist Adam?
VERMÖGEN? – UNVERMÖGEN?
Inklusion ist keine Anpassung – vielmehr bedeutet sie, dass auch die Gesellschaft einen selbstkritischen Prozess durchläuft. Sie soll die Selbstbestimmung der Menschen fördern, doch viele Indizien sprechen dafür, dass die Mehrheitsgesellschaft immer mehr Lebensbereiche mit Kategorien erfasst und beurteilt (Ranking, Scores usw.), wodurch die Selbstbestimmung des Menschen verloren geht: Die soziale Konstruktion von Wertigkeit erreicht neue Höhen. Durch neue digitale Bewertungspraktiken werden selbst die Rückzugsorte erfasst, Privatheit wird erschüttert, die politische Debattenkultur verändert.
Allen Konstruktionen von Wertigkeit ist gemein, dass sie den Menschen fremdbestimmen. Die Verletzung psychischer Integrität trifft alle, mit schweren Folgen für ins Besondere Menschen mit Behinderung. Sie erfüllen die Norm-Erwartungen nicht und widersprechen somit den allgemeinen Vorstellungen von „Normalität“. Von sozialen Interaktionen werden sie deshalb mehr oder weniger ausgeschlossen. Ihre Missachtung beruht dabei auf einem Negativurteil hinsichtlich ihres gesellschaftlichen Wertes, sodass ihr Leben vielfach durch Diskriminierungen und Stigmatisierungen gekennzeichnet ist.
In diesem Kontext weist die Inszenierung auf soziale Ausgliederungsprozesse hin, denen die Betroffenen oftmals hilflos ausgesetzt sind.
Grafik © KAB www.kab-art.de | Foto John Herman (Adam): © Daniel Fragoso



Foto: Julia-Lena Lippoldt (Eva)
© Oliver Stroemer / AMAZE
Foto: Lili Oksanen (Satan)
© Oliver Stroemer / AMAZE
Zwei Evas?!
Die zwei Evas (Tina Streich und Julia-Lena Lippoldt) stehen nicht nur für unterschiedliche Herangehensweisen und Reaktionen - sie stehen auch für die Pluralität der Menschen. Im Stück müssen sie sich erst finden...
Foto: li. Julia-Lena Lippoldt / re. Tina Streich (eva): © Oliver Stroemer / AMAZE

Foto: li. Julia-Lena Lippoldt / re. Tina Streich (Eva): © Oliver Stroemer / AMAZE

Foto: Tina Streich (Eva)
Lili Oksanen (Satan)
© Oliver Stroemer / AMAZE

Foto: Tina Streich (Eva)
© Oliver Stroemer / AMAZE


LOST PARADISE zeigt in einer Mixed-Media-Inszenierung mit Mitteln der Visuellen Kunst und der darstellenden Künste auf: Die Sakralität der Person (Hans Joas) missachtend, wird der Mensch nach Kriterien des Marktes, des körperlichen Vermögens, der sozialen „Zumutbarkeit“, der „Sinnhaftigkeit“ des Daseins laufend beurteilt. Es ist, als hätte sich Satan aus John Miltons Lost Paradise auf der Erde durchgesetzt, indem er den Menschen das Kategorisieren der Welt und ihre Beurteilung, dazu eine Vielzahl an Praktiken der gegenseitigen Bewertung (heute gern digital) als ein unreflektiertes Übel untergeschoben hätte.
Das PARADIES – Eine Welt ohne gegenseitiges Bewerten
Das VERLORENE PARADIES – Prozesse des gegenseitigen Bewertens
Die zentralen Themen: Sakralität sowie Einmaligkeit der Person, werden visuell gestaltet und umgesetzt.
In der Welt, die Unvermögende missachtet, ist die Diskriminierung der Schwächsten zu stoppen. Diese Anstrengung unterstützt das Projekt und hinterfragt tradierte Denkmuster.
„Das Gerede von Werten bedroht die Menschenwürde.“
(Eberhard Straub in: Zur Tyrannei der Werte, Klett-Cotta 2010)
Sakralität der Person

Foto: Tina Streich (Eva) © Oliver Stroemer / AMAZE
Die interaktive Plattform `Paradise Regained´:
Ergänzt wurde das Modul 1 Eva im Mai 2025 durch eine digitale Chat-Plattform, auf der Besucher:innen ihre Erfahrungen mit Ausgrenzung, Bewertung und Inklusion teilen konnten – live vor Ort. Dazu benötigten sie ein Smartphone mit der Messenger - App WhatsApp: Eine Einladung zur partizipativen Reflexion und zum gemeinsamen Denken über gesellschaftlichen Wandel.
Partizipative Reflexion -
für eine Gesellschaft selbstbestimmter Menschen
Das WIEDERGEWONNENE PARADIES – eine Illusion? THINK-TANK mit dem Publikum

In der Inszenierung eröffneten wir ein Live-Chat im Saal, alle Zuschauer waren aufgerufen, sich daran zu beteiligen. Wir reflektierten über das Gesehene und über die Themen der Inszenierung. Im Raum standen die Fragen, wie Exklusion vermieden werden kann, welche Ursachen sie hat, die bereits ins kultur-tradierte Denken eingeschrieben sind und wie sie überwunden werden können. Der Chat war auch aus dem Internet erreichbar / zugänglich.

Foto: Julia-Lena Lippoldt (Eva) © Oliver Stroemer / AMAZE









